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June 2013 - Nr. 6
Marianne Schmidt

45. Jahrestag des Prager Frühlings

Anlässlich zum 45. Jahrestages des Prager Frühlings wurde in Mailand eine Passage nach Jiri Pelikan, eines der Protagonisten des Prager Frühlings benannt. Der Mailänder Bürgermeister und Jitka Frantova-Pelikan, die Gattin des 1999 verstorbenen Politikers, und Journalisten eröffneten die Zeremonie mit geladenen Gästen. Zwischen Zamenhof und der Via Ballila widmete man dem ehemaligen Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit eine Passage mit seinem Namen in einer wunderschön gelegen Grünanlage.

Jitka Frantova-Pelikan mit dem Bürgermeister von MilanJiri Pelikan geb.1923 in Olomouc, Tschechoslowakei, war Publizist und hatte von 1953 bis 1963 eine führende Funktion in der kommunistisch dominierten International Union of Students inne. Danach wurde er bis 1968 Direktor des Tschechoslowakischen Fernsehens und Abgeordneter des Parlaments. Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts am 20. August 1968 in Prag organisierte er den publizistischen Widerstand. Nach dem endgültigen Sieg des reformfeindlichen Flügels der KPC musste er 1969 die Tschechoslowakei verlassen und fand in Italien politisches Asyl. Dort trat er der Sozialistischen Partei bei und war von 1979 bis 1989 Abgeordneter im Europäischen Parlament. Jiri Pelikan starb 1999 in Rom. Er war mit der tschechischen Schauspielerin Jitka Frantova verheiratet, die nach der schweren Erkrankung ihres Mannes für einige Jahre ihre internationale Schauspieler Karriere aufgab um ihn zu pflegen.

Nach dem Tod ihres Mannes arbeitete sie die gemeinsamen Erlebnisse des Kampfes und der Flucht aus Prag schriftlich auf und brachte 2009 ein sehr bewegendes 1 Personen Stück auf die Bühne. Sie spielt sich selbst und erzählt in 75 Minuten ihr gemeinsames Leben mit Jiri Pelikan.

Das Schauspiel “La mia Primavera di Prag” wurde am Tag nach der Straßen Benennung am 30. Mai zu Ehren von Jiri Pelikan im Mailänder Piccolo Theater Studio aufgeführt. Das Publikum war fasziniert von der Darstellung Jitka Frantovas und die unglaublich beherrschenden langen Text Passagen. Beeindruckend der Beginn der Vorstellung. Den Zuschauer empfängt beim Hereinkommen in den Theatersaal eine große Leinwand mit Video Aufnahmen von Prag und dem Musikstück “Die Moldau”. Die Bühne selbst ist zu ebener Erde und wenig beleuchtet. Am Schreibtisch sitzt während des Einlasses unbewegt eine Person, die Hände vor das Gesicht haltend, und wenn der letzte Zuschauer sitzt beginnt das Stück.

Aufrührend, anklagend, mit eingespielten Video und Filmaufnahmen als Zeugen der Zeit lassen den ganzen Kampf “des Prager Frühlings” noch einmal aufleben. Jitka Frantova erinnert mit leisen aber unerbittlichen Tönen an die politische Ungerechtigkeit. Ihre Erscheinung ist hin und wieder gleich eines Engels aber auch als unverzeihliche Person des Geschehens. Das Publikum ist bewegt von dieser unverfälschten Aufarbeitung des Stückes und der Darstellung. Es gab viel Applaus und ganz persönliche Dankesworte an sie.

Ab 2001 spielte Jitka Frantova-Pelikan nach vielen Jahren wieder in Deutschland und feierte große Erfolge auf der Bühne. In Berlin begeisterte sie in “Zyanid um fünf”, im “Jedermann” und auf einer Deutschland Tournee in “Boulevard der Dämmerung”. 2010 erhielt sie in Italien die Silber Medaille für besondere Verdienste in Anerkennung für ihre persönliche Verbreitung der Tschechischen Kultur und für ihren Beitrag der Entwicklung der Partnerschaft zwischen Tschechien und Italien.

Marianne Schmidt, Mailand Mai 2013

 
Marianne Schmidt, wohnhaft in Berlin, Deutschland, berichtet über Kunst, Unterhaltung, Kultur, Reise und Politik.
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Jitka Frantova-Pelikan, Marianne Schmidt, Berlin, Deutschlad, Kunst, Unterhaltung, Kultur, Reise, Politik

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