To Home Page of Echoworld Communications
To Home Page of Echo Germanica
June 2014 - Nr. 6
Marianne Schmidt

Hotel am Steinplatz
in Berlin Charlottenburg

Ein Jahrhundert Hotel ist zurück

Das Hotel am Steinplatz erlebte im Januar 2014 eine glanzvolle Wiedereröffnung. Nur wenige Minuten entfernt vom Bahnhof Zoo war das 1913 im Jugendstil erbaute Hotel am Steinplatz eines der ersten Adressen Berlins und erlebte die wilden, goldenen zwanziger Jahre.

Das Wohnhaus, erbaut von August Endell, dem Architekten der Hackischen Höfe in Berlin Mitte, wurde später zum Luxushotel für russische Adlige, Treffpunkt der Prominenz und der Intellektuellen, mit einer bewegten Vergangenheit. 1916 kaufte die Unternehmer - Familie Zellermayer das schöne Haus und baute es zu einem der begehrtesten Hotels von Berlin - Charlottenburg um.

Schon in den 30er Jahren übernachteten Prominente und Adelige aus aller Welt in den Luxus Suiten und genossen das Nachtleben und den Boulevard des nahegelegenen Kurfürstendamms. Während des 2.Weltkrieges wurde das Hotel von der Marine beschlagnahmt und für die deutsche U-Bootflotte eingerichtet.

Die Familie Zellermayer durfte weiterhin im Haus wohnen bleiben. Ende 1944 zog die Kommandozentrale aus, danach stand das Haus leer, wurde aber durch eine Bombe und einer Luftmine stark zerstört, und als die Russen kamen erledigten sie den Rest.

Nur eine Wendeltreppe blieb stehen.

Sohn Heinz Zellermayer versuchte so gut es ging den Hotelbetrieb wieder aufzunehmen, was ihm recht gut gelang. 1946 heiratete er die damals sehr berühmte Schauspielerin Winni Markus .Das Hotel erlebte einen erneuten Aufschwung und wurde zum großen Treffpunkt der Prominenz, von Zahrah Leander bis hin zu Brigitte Bardot, Romy Schneider.

Neben dem Hotel gab es die Filmbühne am Steinplatz, die zur Berlinale die großen Stars der Welt empfing und in den 50er und 60er Jahre zum Treffpunkt der Kultur- und Filmgrößen wurde. Inzwischen hatte man im Untergeschoss des Hotels die Künstlerbar "Volle Pulle" errichtet, die immer brechend voll war. Nach dem Bau der Mauer blieben so langsam die Gäste aus und 1976 verkaufte Familie Zellermayer das Haus. Aus dem Luxushotel wurde ein Seniorenheim, in dem aber auch die Gäste ausblieben, und das schöne Eckhaus verkam.

Nach jahrelangem Leerstand fand sich ein Investor aus der Mongolei, der das Haus für 32 Millionen Euro in dreijähriger Instandsetzung zu "altem" Leben erweckte und das Hotel zum Comeback führte. Man darf sicher sein, dass es schon bald wieder eine der ersten Hoteladressen wird, denn der Jugendstil der Außenfassade ist ein außergewöhnliches Schmuckstück geworden.

Das 87-Zimmer-Haus ist das erste Hotel der Autograph Collection, der Gruppe Boutiqui - Hotels von Marrionett, in Deutschland. Die Innenarchitektur von Tassilo Bost verleiht den Look der 20er Jahre. Die "Volle Pulle" ist verschwunden jedoch die Bar im Erdgeschoss möchte an die alten - neuen Treffpunkte anknüpfen. Kulinarisch setzt die Küche des Hotels auf deutsche Spezialitäten, wie Königsberger Klopse mit rote Beete, Zander oder rote Grütze. Biersorten wie das Rollberg Bier und der Adler Gin stammen aus Berlin. Küchenkräuter werden selbst angebaut. Natürlich bietet der Sternekoch Stefan Hartmann auch raffinierte internationale Leckereien.

Einen wunderschönen Ausblick haben Gäste der oberen Etagen bis hin zum Berliner Funkturm. Auch wenn der Jugendstil des Hauses moderne Zimmer hat, alle sind in warmen Tönen aus gestattet, doch die Deckenbeleuchtung verrät die 20er Jahre. Einen Pool erlaubte die Bausubstanz nicht, woran die Identität des alten Hauses erkennbar ist. Die zwei geräumigen Spa-Suiten bieten eigene Saunen auf den Zimmern. Andere Gäste können in den kleinen Spas im 5. oder 6. Stock in zwei Saunen sich erholen. Einen interessanten Blick gibt es zum Innenhof, der die alte Architektur zeigt.

Ein gelungenes altes Stück Berlin im neuen Gewand.

 
Marianne Schmidt, wohnhaft in Berlin, Deutschland, berichtet über Kunst, Unterhaltung, Kultur, Reise und Politik.
Email to Marianne Schmidt
Marianne Schmidt, Berlin, Deutschland, Kunst, Unterhaltung, Kultur, Reise, Politik,

To the top of the page

ruler