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February 2001 - Nr. 2

 

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Kleine Deutsche Sprachschule

von Sybille Forster-Rentmeister

Saisongebunden befinden wir uns schließlich in der Karnevalszeit, wird diesmal das Wort Narr untersucht. Ernsthafte Karnevalisten sind wahrscheinlich mit diesem Begriff sehr vertraut und können hier testen, ob sie auch wirklich alles Wesentliche wissen, was mit diesem Begriff verbunden ist.

„Einen zum Narren halten" ist ein viel gebrauchter Ausspruch. Wenn uns einer zum Narren hält, dann wissen wir, das wir gefoppt werden, das uns jemand aufzieht oder zum Besten haben will.

Die ursprüngliche Bedeutung kommt aus der sehr alten Branche der Unterhaltung. Die Geschichte der Narren ist genauso alt wie die der Herrscher und Höfe. Der griechische Schriftsteller und Feldherr Xenophon lebte von 430-354 v.Ch. und in seinem „Symposium" kommt bereits ein Spaßmacher vor. Im alten Rom, zu Kaiserzeiten, gehörten die Scurrae als Possenreißer und auch Schmarotzer zum Bild der Tafeln und Eßgelage.

In Deutschland hört man nicht so früh von ihnen. Berufsmäßige Narren treten erstmals zur Zeit der Kreuzzüge auf. Es waren einige interessante und betitelte Menschen darunter. Maximilian I. (1493-1519) unterhielt Kunz von der Rosen als Narren. Klaus von Ranstat arbeitete für Kurfürst Friedrich dem Weisen (1486-1525). Der Kurfürst war der Gründer der Universität von Wittenberg.

Vom 16-18 Jahrhundert war es große Mode nicht nur witzige, sondern auch geistreiche Gelehrte zum Hofnarren zu machen. So war z.B. ein Professor Taubmann am sächsischen Hofe mit dem Titel „Kurzweiliger Rat" beschäftigt.

König Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) hielt sich den Staatsmann und Historiker Jakob Paul Freiherr von Gundling als Narren am preußischen Hof. Gundling war Universitätsprofessor und Zeitungsreferent (heute würde man das Pressechef nennen) des Königs. Er war auch Hofrat und nach Leibniz übernahm er das Amt als Präsident der Akademie der Wissenschaften. Weiterhin war er bekannt als Mitglied des berühmten Tabakskollegiums und leider auch wegen seiner ungewöhnlichen Trunksucht. Deshalb wurde er bei Potsdam in einem Weinfaß begraben.

Die Kleidung der Hofnarren waren sehr auffällig. Der geschorene Kopf wurde mit der Narrenkappe versteckt: drei Eselsohren und ein Hahnenkamm, einem ausgezackten roten Tuchstreifen, der von der Stirn bis zum Nacken lief. Um den Hals trugen sie einen großen Kragen und an Kappe, Gürtel, Ellenbogen, Knien und Schuhen waren Schellen angebracht, um Aufmerksamkeit zu erregen.

In der „Jungfrau von Orleans" sagt Schiller, „Dem Narrenkönig gehört die Welt", und deshalb gehört auch ein Zepter zum Kostüm, samt Narrenkopf mit herausgestreckter Zunge.

Noch heute kann man diese Ausstattung beim närrischen Treiben in den berühmten deutschen Stätten des Karnevals beobachten. Aber wir finden sie nicht nur bei den großen Karnevalsvereinen von Mainz, Köln, München, Aachen und, ja, Berlin, sondern auch hier in Kanada, wo sich die Traditionen des Karnevals erstaunlich gut erhalten.

Aber weiter mit den Narren und ihrer Zunft.

Vom Hofnarren erwartet man, daß er witzig und hart im Geben und Nehmen von ironischen Hieben ist. Deshalb teilte man ihm auch absolute Narrenfreiheit zu. In anderen Worten, er durfte wegen seiner scharfen Zunge (auch wieder eine Redensart!) nicht bestraft werden. Beim Karneval sind es die Büttenredner, die großzügig von dieser Freiheit Gebrauch machen. Diese absolute Narrenfreiheit ist uns auch heute noch vertraut. Überall gibt es Leute, denen man diese Freiheit gönnt. Ein flinkes Mundwerk, Witz und Humor erlauben manchen Menschen mit normalerweise unmöglichen Aussprüchen nicht anzuecken (wieder so eine Redensart). Manchmal haben wir sogar „einen Narren an ihm gefressen", sind in törichter oder lächerlicher Weise für einen eingenommen. Deshalb gefallen uns ja wohl auch die vielen „Comedians", die heutzutage überall ihr Unwesen treiben.

Im Volksglauben heißt es, daß diesen Leuten ein kleiner Dämon im Leibe steckt, der uns selbstverständlich „am Narrenseil führen" kann, das heißt zum Besten halten kann. Dieser Mythos geht davon aus, daß ein Narr vom Teufel oder von Frau Minne (Venus) am Seil dahingezogen wird. Auf einem Holzschnitt von Brat, das „Narrenschiff" benannt ist, hält Venus einen Esel, einen Affen und drei Narren am Seil. Das erklärt unter anderem vielleicht auch, warum neun Monate nach dem Karneval so viele Kinder geboren werden!?

Da haben sie die Sprachgeschichte der Narren. Ich will Sie jedenfalls nicht weiter zum Narren halten und verabschiede mich in der Hoffnung, daß Ihnen diese Art von Narretei Spaß macht.


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