von Marianne Schmidt
Der Wind hat mir ein Lied erzählt
Ein
Füllhorn voll Musik - Bruno Balz zum 100. Geburtstag
Mit Sicherheit ist Bruno Balz einer der begnadetsten
Textdichter des deutschen Schlagers, doch sein Name stand immer im
Hintergrund. Dennoch vergeht kein Tag, an dem man keine Lieder von Bruno
Balz in Funk und Fernsehen hört.
Er schrieb 1929 den Text für den ersten Tonfilm, „Dich hab’
ich geliebt". Die Filmschauspielerin Mady Christian sang die Titelmelodie.
Während viele Filme längst vergessen sind, so blieben doch
ihre Melodien in Erinnerung. Am 6. Oktober 1902 in Berlin geboren, wußte
Bruno Balz sehr schnell, daß es für ihn nur einen Beruf gibt, -Textdichter,
eine Berufsbezeichnung, die er erfand und mit größtem Erfolg ausübte. Aber
zuvor mußte, wie kann es anders sein, ein ordentlicher Beruf, eine
kaufmännische Lehre her. Nebenbei las er viel, nahm Klavierunterricht und
erfreute sich im Kino der Stummfilmzeit.
Daß er die Texte zu den ersten Tonfilmmelodien schreiben
würde, hatte selbst er sich nicht erträumt. Es wurden im Laufe seiner langen
Karriere 1037 Titel und die Stars, die seine Texte sangen, lesen sich wie
ein Märchen. Von Gustav Gründgens über Pola Negri, Heinz Rühmann, Johannes
Heesters, Zarah Leander, Charles Aznavour, Marika Röck, Evelyn Künneke,
Greta Keller, Gerhard Wendland, Rita Paul und Bully Buhlan, Hilde
Hildebrand, Lizzi Waldmüller, Rosita Serrano. Die Liste der großen Stars
ließe sich noch endlos fortsetzen.
Zum 100. Geburtstag hat nun sein langjähriger Freund, der
Schauspieler und Maler Jürgen Draeger eine Doppel-CD bei Monopol Records mit
Liedern herausgebracht, zu denen Bruno Balz die Texte schrieb. Seine Hommage
an Bruno Balz überreicht er in einem wunderschönen Booklet zur CD - mit
phantastischen Zeichnungen der großen Schauspieler und Sänger. Eine große
Verbeugung vor seinem am 14. März 1988 verstorbenen Freund Bruno.
Die Auswahl der Lieder sind original Tonaufnahmen aus Filmen.
Und wenn man sich das hervorragende und ausführliche Booklet durchliest, ist
man erstaunt, welche bekannten Lieder von Bruno Salz getextet wurden. „Kleine
Möwe flieg nach Helgoland", „Wie ein Wunder kam die Liebe", „Auf der Heide
blüh‘n die letzten Rosen", „Ich brech die Herzen der stolzesten Frau’n", „Roter
Mohn", „Mäcki Boogie", „Ich sende dir Rosen" bekannter als der Hit „Red
Roses for a blue Lady", aber auch das berühmte Lied „Mama", das rund um die
Welt ging und von unzähligen Interpreten gesungen wurde, stammt aus der
Feder von Bruno Balz.
Heidi Brühl hatte einen Millionenhit mit dem Lied „Wir
wollen niemals auseinander geh ‘n", das eigentlich für Zarah Leander
geschrieben wurde. Danach zerbrach die Jahrzehnte lange Freundschaft mit
Zarah Leander, für die er unzählige Texte schrieb. Auch sein Hauskomponist
Michael Jury trennte sich nach Jahrzehnten des gemeinsamen Erfolges von ihm.
Zum Schaden für Komponist und Interpreten, denn keiner landete ohne die
Texte von Bruno Balz einen Hit mehr. Der große Textdichter legte danach
seine Feder beiseite.
Mit dem Millionen-Hit „Mama", das Balz 1941 für Benjamin
Gigli in dem Tonfilm „Mutter" schrieb, und nach 26 Jahren roch einmal zum
Erfolg durch die glockenreine Stimme des Holländers Heintje kam, ließ Bruno
Balz von den Tantiemen des Liedes für Kinder ohne Mütter ein SOS Kinderdorf
bauen. Bis zum Ende dieses Jahres ehren die Berliner Künstler Stefanie
Simon, Bert Beet und Nett Brandenburg in einer eigenen Show den
großen Textdichter Bruno Balz mit Liedern und Erzählungen aus seinem
interessanten Leben.
Filmproduzent Horst Wendland gestorben
Deutschlands großer Filmproduzent Horst Wendland verstarb am
30. August im Alter von 80 Jahren in Berlin, an einem Krebsleiden. Die
Nachricht traf jeden Filmfreund mit tiefer Trauer.
Horst Wendland, der den Deutschen Film trotz großer Kriese
immer wieder aus dem Mißerfolg verhalf und nicht aufgab, konnte mit 30 Edgar
Wallace Verfilmungen, vier „Otto" Filmen, neun Karl May Filmen über Winnetou
und Old Shatterhand, mit Streifen von Rainer Werner Fassbinder, Volker
Schlöndorff, Loriot und vielen anderen den Deutschen Film am Leben erhalten
und sorgte für große Erfolge.
120 Filme hat er auf die Leinwand gebracht, unzählige Preise
erhalten. Er war der Filmemacher mit dem großen Herzen. Im vergangenen Jahr
bekam er den Kultur-Preis der Zeitung B-Z.
Horst Wendland kam 1822 in Criewen an der Oder zur Welt. Mit
bürgerlichen Namen hieß er Grigori Gubanow, seine Familie war russischer
Abstammung. Als er fünf Jahre alt ist, zieht seine Familie nach Berlin, er
wird von seiner Tante adoptiert und erhält dadurch seinen deutschen Namen.
Das Kino wird von klein an sein Lebensinhalt, und sein
Ehrgeiz und die Liebe zum Film führten ihn zum Erfolg. Er wurde von allen
sehr geschätzt und geliebt, und hinterläßt nun eine große Lücke im deutschen
Film.
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